Der Schlossbergring im Wandel
Der Schlossbergring in Freiburg war lange eine Problemzone für den Fuß- und Radverkehr. Durch das Engagement vieler Aktivist*innen konnte eine spürbare Verbesserung erzielt werden - ich war dabei!
In Freiburg haben wir eine große Ringstraße um den Innenstadtkern herum. Der Ostteil davon ist der Schlossbergring, wo es noch bis vor 3 Jahren auf einer Seite keinen Fahrradweg gab. Neben dem Schlossbergring war nur ein sehr schmaler Bürgersteig, der für Fahrräder freigegeben war. Das hat oft zu brenzligen Situationen geführt, weil sich Radfahrende und Zufußgehende in die Quere gekommen sind. Einige wenige mutige Radfahrer sind auf der Straße gefahren, aber die wurden oft von den Autofahrenden dann per Hupen, Bedrängeln, etc, “umerzogen”, wieder auf dem Gehweg zu fahren.
Zu Zeiten von Corona sind Deutschlandweit überall Radentscheide aus dem Boden gesprossen. Bei uns auch. Der Radentscheid bei uns bestand aus einem Zusammenschluss vieler Umweltverbände und Privatpersonen. Ich bin damals als Privatperson dazu gekommen und inzwischen in einem der Verbände aktiv (im VCD). Die Ringstraße fahrradfreundlicher zu machen war damals eine zentrale Forderung.
Wir haben vor allem drei Sachen gemacht: Aktionen zum Aufmerksamkeit erregen, Zusammenarbeit mit unseren Anliegen zugewandten Pressevertretern und Vernetzung und Überzeugungsarbeit im Gemeinderat. Wir haben auch eng mit den Fraktionen zusammengearbeitet, die unseren Forderungen gegenüber offen waren.
Beim Schlossbergring war, denke ich, ausschlaggebend, die Aktionsform vom Popup-Radweg. Wir haben dazu etwa drei mal die Autospur in einen Radweg verwandelt. Dazu haben wir das Versammlungsrecht genutzt, wodurch unter anderem die Verkehrssicherung und Verkehrsführung vom Popup-Radweg durch die Stadtverwaltung umgesetzt wurde. Konkret: Die Stadtverwaltung hat für uns Hütchen entlang der Straße aufgestellt, die die Fahrradspur markieren. Die Fahrradfahrenden konnten den Radweg dann nehmen, die Autos die andere verbleibende Spur.
Das hat für ganz schön viel Stimmung gesorgt und viele Leute haben sich ganz schön aufgeregt, was uns Fahrradfreaks jetzt einfällt und wenn man die Straße sperrt dann führt es zu Rückstau und dann passieren schlimme Dinge, etc.
Letztendlich war das Thema aber oft genug in der Presse und hat viel Aufmerksamkeit bekommen und irgendwann sind sogar CDU und ADAC zu dem Schluss gekommen, dass eine Umwidmung einer Spur absolut sinnvoll und notwendig ist. Dann gab es einen Verkehrsversuch, also 6 Monate Probe und naschließend eine Evaluierung, ob tatsächlich all die schlimmen Dinge eingetreten sind, die befürchtet waren. Die Evaluierung am Ende war ziemlich eindeutig: Nein es gibt keinen Rückstau, der Verkehrsfluss hat sich verstetigt, die Probleme zwischen Fußgängern und Radfahrern sind Geschichte.
Nach 3 Jahren regelmäßiger Aktionen. Öffentlichkeitsarbeit und Lobbyismus hat der Gemeinderat dann den Beschluss gefasst, die Spur umzuwidmen und den Radweg zu verstetigen. Nach zwei weiteren Monaten war die Radspur farblich markiert. Sie ist zwar nicht baulich getrennt, aber dafür etwa 3 Meter breit, und die Autospur daneben ist nicht mehr Tempo 50, sondern Tempo 30.
Unsere Forderungen gingen aber noch viel weiter. Wir wollten, dass beide Autospuren auf der Ostseite zu einem Zwei-Richtungs-Radweg werden, um so die Nordstadt und Südstadt besser zu verbinden und den Radverkehr baulich vom Autoverkehr zu trennen. Dazu wollten wir auch einen Kreisverkehr im Norden nach Niederländischem Vorbild. Leider hat sich die Stadt dagegen entschieden und die Verkehrsführung mehr oder weniger beim Alten belassen - immerhin werden die Radwege deutlich breiter und der Fuß- und Radverkehr werden getrennt voneinander geführt.
Variantenvergleich für den Schlossbergring.Hervorzuheben bei der VCD/FR-Entscheid Variante sind der Zweirichtungsradweg und der Kreisverkehr nach Niederländischem Vorbild
Hat sich der Aufwand also gelohnt? Unter’m Strich würde ich sagen: Ja. Auch wenn wir hier keine echte Verkehrswende erreicht haben, haben wir dennoch für eine spürbare Verbesserung der Situation gesorgt. Außerdem hat sich unser Engagement auch positiv auf die gesamte restliche Stadt ausgewirkt, denn die Stadtverwaltung hat sich im Rahmen des Fuß- und Radentscheids schon ein wenig zugunsten der Verkehrswende bewegt. Ich habe auch viel dabei gelernt: Wenn man Veränderung will, dann muss man sich ein gutes Netzwerk aufbauen, den Vorschlag in’s Gespräch bringen und vor allem viel Zeit und Durchhaltevermögen mitbringen. Aber das wichstigste ist: Forderungen werden nur selten, wenn überhaupt, zu 100% umgesetzt. Es ist wichtig, den Blick auf die Erfolge zu richten statt nur auf das was noch hätte möglich sein können.
