Die Wiehre und der Durchgangsverkehr
Im Freiburger Stadtteil Unterwiehre ist viel soziale Infrastruktur. Jeden Tag fahren als Schleichverkehr etwa 6000 Fahrzeuge durch die Lorettostraße. Jedes Jahr veranstalten wir ein politisches Straßenfest. Die Forderung: Durchgangsverkehr raus.
Die Lorettostraße: Täglich 6000 Fahrzeuge
Jeden Tag pressen sich lange Autokolonnen durch die Lorettostraße, Stoßstange an Stoßstange. Und all das, obwohl hier aus allen Richtungen Schulkinder ihren Schulweg bestreiten und Eltern ihre Kinder in die Kita bringen wollen. Für Kinder sieht die Welt anders aus. Die großen Autos wirken bedrohlich. Kann ich über die Straße? Werde ich gesehen? Hält das Auto an? Die Insassen in den Autos sind für sie unsichtbar, quasi anonym. Wo ist der Blickkontakt, die menschliche Verbindung? Der Feinstaub, der vom Verkehr aufgewirbelt wird, ist für sie noch intensiver als für uns Erwachsene: Die Atemwege der Kinder sind viel näher am Boden. Ihr feines Gehör ist noch in der Entwicklung, und der Verkehrslärm ist eine große Belastung.
Aber wer sagt eigentlich, dass das so sein muss? Wer sagt, dass der Durchgangsverkehr eine unumstößliche Wahrheit ist, fast wie eine Naturgewalt? Wer sagt, dass die Leichtigkeit des Verkehrs über der Gesundheit unserer Kinder steht?
Durchgangsverkehr - eine Naturgewalt?
Nichts soll über der Gesundheit unserer Kinder stehen. Kinder sollen ihren Schulweg eigenständig, in Sicherheit bewältigen können, zusammen mit ihren Freundinnen und Freunden. Seit 2021 engagiert sich das Bündnis Lorettostraße, in dem wir auch im VCD und der Fuß- und Radentscheid aktiv ist, für eine verkehrsberuhigte Lorettostraße. Seit Anfang gab Verkehrskonzepte, Diskussionsabende, Vorträge und Events wie der jährliche Popup-Boulevard.
Jedes Jahr erinnern wir an die Forderung: Lorettostraße für Menschen statt für Autos. Aber bisher vertröstet die Stadt: „Wenn wir Kapazität haben, es sei denn es kommen wichtigere Dinge dazwischen“. Sind das also diese „dicken Bretter, die man bohren muss“? Wann steht die Lorettostraße endlich auf der Prioritätenliste?
Wer etwas will, findet Wege. Wer etwas nicht will, findet Gründe.
Ein ganzheitliches Verkehrskonzept muss her
Aber nicht nur die Lorettostraße wird vom Durchgangsverkehr belastet. Ebenso die Günterstalstraße, und die Kronenstraße auch. Ebenso die Basler Straße auch, und die ist eigentlich bereits jetzt als Anlieger-Frei-Straße gekennzeichnet. Das ist alles Schleichverkehr von der Bundesstraße B31. Aber eine Bundesstraße ist genau dafür gedacht: Verkehr bündeln und die Quartiere entlasten. Es braucht endlich ein Verkehrskonzept für die Unterwiehre. Wichtig ist aber, dass durch eine Lösung nicht andere Quartiersstraßen zusätzlich belastet werden.
Lärmkarte der Stadt Freiburg vom Jahr 2022, Ausschnitt Wiehre.
Die angrenzenden Wohnstraßen Günterstalstraße und
Kronenstraße sollten auch von einer Entlastung profitieren.
Dass das geht, das wurde bereits gezeigt. Es gibt verschiedene Konzeptentwürfe, mit Einbahnstraßenregelung, Abbiegeregelungen, mit baulichen Veränderungen oder mit verkehrsrechtlichen Anordnungen. Wen es interessiert, der kann es sich im Wiehre Journal Ausgabe 73 selbst anschauen. Aber um hier weiter zu kommen, braucht es Menschen. Menschen, die aufstehen, die den Status Quo nicht länger akzeptieren und sich für Veränderung einsetzen. Jeder und Jede hat das Werkzeug dazu, etwas zu bewegen.
Am 17. Februar 2026 hat das Bündnis Sichere Schulwege Freiburg einen offenen Brief an den Oberbürgermeister Martin Horn verfasst, der hier eingesehen werden kann. Das Engagement in der Lorettostraße war der Keim, aus dem dieses Bündnis entstanden ist.

